terremoto – Erdbeben

4 03 2010

Wow, was für ein Abschluss meiner Zeit in Chile! Wie ihr in den Kommentaren vielleicht schon gesehen habt, habe ich alles gut überstanden.

Das Erdbeben erlebte ich im Haus des  Ehepaares Jorge und  Jane in Villa Alemana in der Nähe von Valparaiso, etwa 250 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Ich hatte die beiden während meines Roadtrips in einer Hospedaje kennengelernt, wo Jorge, der ein wenig Englisch redet, unser Anliegen dem Hospedajebesitzer ins Spanische übersetzte. Er gab mir damals seine Telefonnummer und meinte, ich solle mich doch melden, wenn ich in Valparaiso sei, er würde mir dann die Stadt ein wenig zeigen. Also rief ich ihn 4 Wochen später aus Valparaiso an und er lud mich in sein Haus ein und holte mich am Freitagabend vom Hostel ab. Anschliessend sammelten wir noch 5 seiner 6 Enkelkinder auf (zw. 5 und 12 Jahren), die auch das Wochenende bei ihren Großeltern verbringen wollten.

Also schlief ich gerade tief und fest im ersten Stock des Hauses, als ich gegen 3:30 Uhr aufwachte, weil alles wackelte und ein ohrenbetäubendes Dröhnen zu hören war. Erst dachte ich: Wow, was für ein großer Truck fährt da denn an dem Haus vorbei? Als das Wackeln schlimmer wurde, stand ich auf, schwankte zum Fenster und sah gerade noch, wie die Erde und die Bäume zitterten, bevor überall die Lichter ausgingen. Erst da ging mir auf: Ey, du bist in Chile! Erdbeben!! Raus aus dem Haus!!! Da hab ich dann auch nebenan die Kinder schreien hören. Vor der Tür war Jane schon dabei, die Kleinen einzusammeln, ich schnappte mir die 5jährige Isabella, wir rannten die Treppe runter und stellten uns unter die Türbögen, die angeblich die sicherste Stelle im Haus sind. Hört sich leicht an, ist aber gar nicht so einfach, wenn das ganze Haus zittert und schwankt, alles um einen rum von den Wänden fällt und die Möbel durchs Haus hüpfen. Dazu kommen noch die eigenen zitternden Beine aufgrund der aufkommenden Panik. Aber es hat geholfen, dass ich zwei kleine Mädchen auf dem Arm hatte, die noch mehr Angst hatten und getröstet werden wollten. Und es war beruhigend, mit zwei erdbebenerfahrenen Leuten zu sein, die wussten, was man bei Erdbeben so tun muss (z.B. als erstes die Haustür öffnen, weil sich sonst alles verzieht und man nicht mehr aus dem Haus kommt).

3 Minuten später war alles vorbei und das Haus stand noch.  Das waren die längsten drei Minuten meines Lebens.

Den Rest der Nacht verbrachten wir bei Kerzenschein im Wohnzimmer im Erdgeschoss, während immer wieder Nachbeben das Haus durchschüttelten. Bei jedem Nachbeben hatte ich Panik, das alles erneut losgeht. Und immer wieder sprang die 5jährige auf meinen Schoß und wimmerte „terremoto, terremoto“. Es gab keinen Strom mehr und die Telefonleitungen inklusive der Mobilfunkverbindungen waren zusammengebrochen. Immerhin hatten wir noch Wasser. Übers Autoradio kamen dann nach und nach die Informationen. Jorge und Jane versuchten, die Verwandten zu erreichen, aber erst im Laufe des nächsten Tages normalisierte sich das Mobilfunknetz einigermaßen.

Villa Alemana hatte anscheinend ziemliches Glück. Alles sah recht heile aus, es gab zwar ein paar Risse in den Häusern, aber wenig zerstörte Gebäude. Südlich von uns wars viel, viel schlimmer, aber das  habt ihr ja vermutlich im Fernsehen gesehen.

Die nächste Nacht verbrachte ich auf den Fußboden neben der Haustür zusammen mit den Kindern. Keiner hätte mich dazu gebracht, wieder oben im ersten Stock zu schlafen, solange sich die Erde noch bewegt. Da wir Wasser hatten, kamen die Nachbarn und Verwandten alle zum Duschen vorbei. Am nächsten Tag sammelten wir Kanister zusammen und brachten Wasser ins Krankenhaus. Jane ist Kinderärztin und in ihrem Krankenhaus war die Wasserversorgung zusammengebrochen. Als wir zurückkamen, kam auch aus unseren Leitungen kein Wasser mehr. Dafür gabs jetzt wieder Strom.

Montag verliess ich das erdbebenbewährte Haus von Jorge und Jane und fuhr mit dem Bus nach Santiago. Zwischendurch immer wieder kollabierte Fußgängerbrücken und zusammengekrachte Häuser.

In Santiago traf ich dann auch wieder auf Susanne, die das Erdbeben im Hostel erlebt hatte. Aber auch das Hostel war ein neues und stabiles Gebäude und somit hatte ich endlich wieder Strom und Wasser. Yeah.

Da Teile des Flughafens in Santiago beim Erdbeben zerstört wurden, wurden alle Flüge gestrichen. Da am Donnerstag aber mein Flug nach Neuseeland gehen sollte, stelle ich mich also am Dienstag in die Schlange vor dem Büro meiner Airline. Die längste Schlange meines Lebens! Über  5 oder 6 Strassenzüge lang. Volle 5 Stunden später endlich im LAN Büro, meinte die Dame, es sei möglich für mich, noch am selben Abend nach Auckland zu fliegen. Da gäbe es noch einen Platz.  Auf dem Weg zurück zum Hostel waren die Strassen plötzlich wie ausgestorben und alle Geschäfte geschlossen und verrammelt. Im Hostel erfuhr ich dann, dass eine Warnung ausgegeben wurde, dass plündernde Erbebenopfer durch die Stadt ziehen und die Supermärkte überfallen auf der Suche nach Lebensmitteln und Wasser. Einige Viertel Santiagos hatte das Erdbeben schlimm erwischt.

Ohne überfallen worden zu sein, erreichte ich den „Flughafen“. Der improvisierte Terminal bestand aus drei zusammengebundenen Partyzelten neben dem Rollfeld vor dem Hunderte Leute auf ihre Flüge warteten. Nach weiteren 6 Stunden Warten im völligen Chaos (ohne Essen seit dem Frühstück, da ja alles wegen Plünderung geschlossen war), saß ich tatsächlich im Flugzeug nach Neuseeland. Ich konnt`s kaum glauben. Empfangen wurden wir von einem Haufen Kamerateams, die das erste Flugzeug aus dem Erdbebengebiet filmen wollten.

Tja, und nun schreibe ich diese Zeilen tatsächlich im Hostel in Auckland. Nach den letzten 4 Chaostagen werd ich wohl mal ein, zwei Ruhetage einlegen und meinen Aufenthalt hier in Neuseeland planen.



Wein und Sonnenschein

24 02 2010

Ich liege gerade mit dem Netbook auf dem Schoß in der Hängematte im Garten meines Hostels und genieße die sommerlichen Temperaturen hier in Mendoza, Argentinien. In 20 Stunden Busfahrt ließen wir Chile und den Regen hinter uns und durchquerten erneut die Anden nach Argentinien über teils spektakuläre Pässe. Die Anden sind hier sehr hoch und auch auf den höchsten Berg des amerikanischen Kontinents, den Aconcagua, konnten man aus dem Busfenster heraus einen Blick erhaschen. Selbst der Grenzübergang nach Argentinien liegt auf etwa 3500 m Höhe. Ich glaube, das war bisher der höchste Punkt, auf dem ich je gestanden habe.

Mendoza ist das bekannteste Weinanbaugebiet Argentiniens. Hier scheint fast immer die Sonne, es regnet bloss 200 mm im Jahr und die Weinberge müssen daher alle künstlich bewässert werden.

Natürlich war daher eine Weintour der erste Programmpunkt. Hierfür liehen wir uns Fahrräder und fuhren durch die Weinberge von einem Weingut zum nächsten und probierten uns durch die Rotweinkollektionen der Winzer. So viel guten Rotwein hab ich an einem Tag noch nie getrunken. Von Weingut zu Weingut fuhren unsere Fahrräder immer kurviger und als es Abends im Hostel zum gemeinsamen Grillen auch noch freien Rotwein gab, musste ich den nächsten Tag in der Hängematte im Schatten der Bäume verbringen.Eine Weintour, die ich jedem künftigen Mendozabesucher sehr ans Herz legen kann.

Morgen geht es dann schon wieder nach Santiago in Chile zurück und meine Zeit in Südamerika neigt sich dem Ende zu. Habs bisher sehr genossen.



Lost in translation and clouds

24 02 2010

Von dem etwas verschlafenen Chiloe ging es in die „Großstadt“ Valdivia auf dem Festland an der Pazifikküste. Etwas Unangenehmes stand auf der Tagesordnung: Zahnarztbesuche. Nachdem sich eine Woche vor Abflug in Deutschland mein Zahn entzündet hatte, notdürftig behandelt und verschlossen wurde, tat er 5 Wochen später in Argentinien so weh, dass ich in El Bolson ins Provinzkrankenhaus musste und der Zahnarzt dort ihn wieder öffnete. 2 Wochen mit offenem Zahn später mußte ich nun also in Chile jemanden finden, der die Wurzelbehandlung zu einem Ende bringt und mir den Zahn wieder schließt. Und das mit meinem dürftigen Spanisch…

Die erste Zahnklinik erklärte mir, der Spezialist sei erst wieder in 5 Tagen im Hause. Auf dem Weg zum zweiten Zahnarzt traf ich eine deutsche Auswandererin, die mir wärmstens ihren Zahnarzt empfahl und mir seine Adresse gab. Als ich dann jedoch dort ankam, sprach die Assistentin auch wieder nur spanisch und versuchte, mir irgendetwas zu erklären, was ich aber beim besten Willen nicht verstand. Irgendwann gab sie auf und rief den Arzt von zuhause herbei, der mir in gebrochenem Englisch erklärte, er sei nur Spezialist für Füllungen und ich würde aber einen Spezialisten für Wurzelbehandlungen brauchen. Anscheinend sind die Zahnärzte hier alle auf verschiedene Bereiche spezialisiert. Netterweise klemmten er und seine Assistentin sich dann hinters Telefon und organisierten mir noch für den selben Tag einen Termin bei einem englischsprechendem Wurzelspezialisten.

2 Tage später war alles wurzelbehandelt und gefüllt und ich sehr positiv überrascht von den chilenischen Zahnärzten. Alles viel professioneller und angenehmer als in Deutschland. Kann ich also nur weiterempfehlen 😉

Im ströhmenden Regen ging es weiter nach Pucon, einer Kleinstadt am Fuße des aktiven Vulkans Villarrica. Hier dreht sich alles um Outdoorsport und den Vulkan. Von Vulkanbesteigungen über Rafting zu Hochseilgärten kann man hier alles machen. Leider regnete es fast unseren kompletten Aufenthalt durch, so dass vom Vulkan so rein gar nichts zu sehen war. Eine kleine Regenlücke nutzten wir zu einer Wanderung im Nationalpark wurden auf dem Rückweg abermals vom Regen erwischt und bis auf die Haut durchnäßt.

Frustriert gaben wir nach 3 Tagen Dauerregen das Projekt Pucon auf und kauften uns ein Busticket nach Mendoza in Argentinien, wo Sonnenscheingarantie herrscht. Kaum saßen wir im Bus, riss die Wolkendecke auf und  gab das erst Mal seit einer Woche den Blick auf den Vulkan frei. Schlechtes Timing, aber immerhin hab ich ihn somit doch noch einmal gesehen…